Vor ein paar Monaten, nach mehr als 10 Jahren als Smartphone-Nutzer, habe ich mein schickes iPhone 7 gegen ein Oldschool Mobiltelefon eingetauscht.

Ja, ein echtes Handy: Ein Nokia 105, das einfachste Modell. Viel einfacher geht’s nicht.

Es hat mich weniger als 20 Euro gekostet, mir ein großes Stück Souveränität zurück in mein Leben zu holen.

Vor dieser Entscheidung hatte ich täglich mehrere Momente, in denen es mich tierisch genervt hat, dass ich die Finger nicht vom Smartphone lassen konnte.

Ich hatte ständig das Gefühl keine Kontrolle mehr über meine Handlungen, Gedanken und Gefühle zu haben.

Die meiste Zeit war ich völlig fremdbestimmt unterwegs und das bei vollem Bewusstsein. 

Das hat echt weh getan…

… wie eine Wurzelbehandlung ohne Betäubung.

Wenn du selbstbestimmt leben möchtest, hilft es dir nicht, dir über Kontrollzwang im Außen und Fremdbestimmung den Kopf zu zerbrechen.

selbstbestimmt leben

Stattdessen solltest du täglich selbst bestimmen, was und wem du deine Aufmerksamkeit schenkst.

In diesem Artikel zeige ich dir zwei scheinbar „harmlose“ Dinge, die dafür sorgen, dass du nie das Gefühl hast, selbstbestimmt zu leben oder wirklich frei zu sein.

Ich verrate dir, wie du diese Dinge vermeidest und worauf du deine Aufmerksamkeit lenken solltest.

#1 Selbstbestimmt leben, ohne Smartphone & Social Media

„Facebook Likes sind das neue Rauchen“

Cal Newport

Solltest du bis jetzt davon ausgehen, dass du selbst darüber entscheidest, wann du dein Smartphone zur Hand nimmst, muss ich dich leider enttäuschen.

Der „State of Mobile Report“ aus 2020 der Mobile-Spezialisten App Annie zeigt: Smartphones fesselten 2019 ihre Besitzer täglich 3,7 Stunden an die Bildschirme. Die Hälfte davon entfällt auf die Nutzung von Social Apps.

Zudem werden jedes Jahr über 1.000.000.000.000 Dollar investiert, um dein Verhalten am Smartphone weiter zu „optimieren“. Das ist eine Billion oder 1000 Milliarden ausgeschrieben.

Vom Resultat konntest du ja weiter oben schon lesen. 

Du kannst dich dem Ganzen nicht entziehen. Selbst bei vollem Bewusstsein.

Es ist, als ob du dir selbst dabei zusiehst, wie du ferngesteuert wirst.

Mal davon abgesehen, dass dein „normales“ Nutzerverhalten manipuliert wird, hast du auch nur einen geringen Einfluss darauf, was du zu sehen bekommst.

Am Ende bestimmt der Algorithmus (und die festgelegten „Richtlinien“), was du siehst und nicht siehst. Der Algorithmus ist zwar auf dein Surfverhalten abgestimmt, aber auch das wird „optimiert“.

Eine Teillösung wäre dein Smartphone gegen ein Handy zu tauschen. 

Teillösung deshalb, weil du allein fürs Online-Banking kaum noch ohne Smartphone auskommst.

Es gibt Software, die dich förmlich zwingt ein Smartphone anzuschaffen, allein wegen der zweistufigen Authentifizierung. 

Und hier liegen ja die technologischen Vorteile. Gegen technischen Fortschritt ist überhaupt nichts einzuwenden. Du darfst dich halt fragen, wie du Technologie nutzt (oder ob du dich von ihr benutzen lässt).

Du solltest alle Apps vom Smartphone löschen, außer die eben genannten, die du brauchst oder die dein Leben vereinfachen, weil du damit bestimmte Software nutzen kannst.

Teillösung auch deshalb, weil das Suchtpotenzial am Laptop oder Rechner genauso hoch ist, wie am Smartphone. 

Solltest du viel am Rechner sitzen, steigt die Versuchung deine Social Media Kanäle zu öffnen.

Neben der Fremdbestimmung ist Social Media auch der Hauptgrund, warum du keine Zeit für die wirklich wichtigen Dinge mehr hast.

Ich nutze bis jetzt Browsererweiterungen, die meine Feeds und Chroniken unsichtbar machen. 

Der News Feed Eradicator ist hervorragend dafür geeignet.

Noch besser ist Self Control.

Beide findest du unter den Google Chrome Erweiterungen.

Und wenn du schon einmal dabei bist, nimm die DuckDuckGo Erweiterung dazu (warum erkläre ich irgendwann in einem anderen Artikel).

Eine Komplettlösung wäre es, all deine Social Media Konten zu löschen. Aber dafür brauchst du Eier.

#2 Selbstbestimmt leben, ohne Fernseher & Radio

Wir leben im Informationszeitalter.

Für mich hat sich das immer irgendwie cool angehört. Es hatte so etwas Fortschrittliches.

Aber wir leben auch in den Hochzeiten von Propaganda und deren verwandten Phänomene, wie Desinformation, Verschwörungstheorien, Fake News und anderen Merkmalen unserer geschädigten Informationsgemeinschaft.

Und selbst in Werbespots geht es längst nicht mehr ausschließlich, um physische Produkte oder Dienstleistungen. 

Angst ist der bevorzugte Weg, diese Informationen zu vermitteln.

2010 verspürte ich den Impuls meinen Fernseh- und Nachrichtenkonsum komplett einzustellen, nachdem ich einen Podcast gehört hatte, indem es ums Glücklichsein ging.

Wenn ich heute einen Raum betrete, indem der Fernseher läuft und gerade die Nachrichten drauf sind, halte ich es kaum aus. Beim Radio ist es dasselbe. Ich nehme es so bewusst auf, was da passiert, weil ich davon entwöhnt bin.

Stell es dir vor wie in Matrix. Du bist angestöpselt und wirst mit Informationen versorgt, die dir ein Weltbild vermitteln, dass zum Teil wenig mit der Realität zu tun hat. Aber wenn du die rote Pille geschluckt hast, siehst du, was wirklich abgeht.

Einige Ergebnisse permanenter Angst sind übrigens Sorgen, Anspannung, Schlafstörungen, Unruhe und Reizbarkeit.

Selbstbestimmt zu leben und frei zu sein, hört sich anders an…

Die gute Nachricht ist, dass du keine Kabel ziehen oder irgendwas schlucken musst, um in den Geschmack der roten Pille zu kommen.

Verzichte einfach drei Monate komplett auf Kabelfernsehen (o.k. doch ein Kabel…) und Radiosender.

Wenn du das volle Programm möchtest, verzichte in dieser Zeit ganz auf Input von Außen.

Seitdem ich „Stillness is the key“ von Ryan Holiday gelesen habe, trainiere ich ohne Musik, fahre Auto ohne Musik und habe auch bei alltäglichen Aufgaben den Input in Form von Musik und Podcasts verringert. 

Kleine Warnung: Es wird unangenehm.

Je nachdem wie viel Beschallung du bisher von Außen hattest, wird es ein kalter Entzug. Ähnlich der Kopfschmerzen, die du beim Kaffee Detox hast, sind die Symptome auch hier körperlich.

Das basiert zum einen darauf, dass du zu Beginn nicht weißt, was du mit dir anfangen sollst und zum anderen, dass du ständig das Gefühl hast, etwas zu verpassen.

Und kurz bevor das Tagträumen und „selbst denken“ wieder einsetzt, können es auch mal Kopfschmerzen sein.

selbstbestimmt leben

“Build a life you don’t need to escape from.” – Ryan Holiday

Neben den kleinen Dopamin-Kicks über deine Social Media Kanäle und dem Gefühl der Kontrolle, die (vermeintlichen) Ereignisse im Außen im Blick zu haben, hast du noch etwas anderes von der ganzen Ablenkung.

Du musst dich nicht mit dir beschäftigen.

Selbstbestimmt leben bedeutet:

  • Deine eigenen Gedanken wahrzunehmen…
  • Deine eigenen Gefühle zu spüren…
  • Eigene Entscheidungen zu treffen…
  • Verantwortlich für dich zu sein…
  • Auf die Opferrolle zu verzichten…
  • Dir über deinen Weg als Mann klar zu werden…
  • Dein bisheriges Leben zu hinterfragen…
  • Dein Umfeld und deine Beziehungen bewusst zu wählen…
  • Deine Aufmerksamkeit immer wieder bewusst zu lenken…
  • Und noch so viel mehr…

Das alles ist unbequem und den Großteil der Zeit außerhalb der eigenen Komfortzone.

Du wirst vieles finden, was dir nicht gefällt.

Wo du noch Potenzial entfalten kannst.

Auch wenn es für dich noch nicht danach klingen mag, ist kaum etwas erfüllender als dieser Weg.

Und am schnellsten kannst du diesen Weg gehen, wenn du die Dinge in deinem Leben aufgibst, die dich daran hindern selbstbestimmt zu leben oder wirklich frei zu sein.

Welche Rolle dein Smartphone, Social Media, dein Fernseher und Radio dabei spielen, weißt du jetzt.

Du weißt, dass du dich bewusst vom Kontrollzwang im Außen und der Fremdbestimmung freimachen darfst. Indem du täglich selbst bestimmst, was und wem du deine Aufmerksamkeit schenkst.

Mach den ersten Schritt, nimm dein Smartphone und lösche eine der Apps, die dich bis heute davon abgehalten hat selbstbestimmt zu leben.


    1 Response to "Selbstbestimmt leben: 2 Dinge, die du aufgeben solltest"

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